Ein Stück für und mit dem Vinylograph. Analoger Charme entsteht dort wo Unebenheiten oder Abweichungen, bewusst oder zufällig, einen ganz besonderen Reiz und Farbe aufkommen lassen. Wer versucht Schallplatten zuhause mit exakt auf den Kammerton gestimmten Instrumenten zu begleiten, wird unter Umständen bemerken, dass sich da manchmal ein intervallischer Spalt auftut, der von kleinen mikrotonalen Schwebungen bis zu einem Halbton oder mehr anwachsen kann. Abseits der bei der Aufnahme genutzten Stimmungen, hat dies vor allem damit zu tun, dass die Abspiel und auch Aufnahmegeschwindigkeiten, teils sogar bewusst, leichten Schwankungen unterliegen. Für das normale Hören spielt das kaum eine Rolle. Für mein Stück jedoch sollen diese kleinst-Differenzen die Hauptsache werden. Mit einem Instrumentarium (diverse Saiteninstrumente, Metallophone, Saxophon) das teils mikrotonal ineinander und gegeneinander verstimmt ist, sowie mit einem außerhalb aller Stimmungen klingendem Theremin, wird die auf den im Raum vorhanden Plattenspielern ausgetestete Differenz zum musikalischen Material des Stücks. Dabei werden auch Platten selbst als Schallerzeuger zum Einsatz kommen. Mit der Live-Aufnahme des Stückes durch den Vinylograph erlebt das Stück eine weitere Verschiebung, die in bestimmten Momenten die Differenzen zu den ebenfalls abgespielten Referenztönen auf den Plattenspielern wieder gegen Null schwingen lassen. Zwei Seiten hat ja eine Platte, dabei wird auf der A-Seite alles um den Ton a kreisen, auf der B-Seite um den Ton b. Das musikalische Material bleibt bestehen, nur ist es auf der B-Seite langsamer, ganz so als würde man die Platte mit der falschen Geschwindigkeit abspielen… (C. B.)

"Écart"? -> https://de.wikipedia.org/wiki/Écart

  www.corneliusberkowitz.com

  

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